Gedenk- und Schutzunterstand

Aus Geschichte wird Raum

Der Gedenk- und Schutzunterstand entsteht am Ort des ehemaligen Durchgangslagers Pöppendorf im Waldhusener Forst. Zwischen 1945 und 1951 war das Lager eine Station für Menschen, die infolge des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verloren hatten – ein Ort des Ankommens, Wartens und Weiterziehens. Seine Architektur war Ausdruck dieser Situation: schnell errichtet, funktional, reduziert und auf das Notwendige beschränkt.

Eine prägende Bauform des Lagers war die Nissenhütte. Die tonnenförmige Wellblechkonstruktion wurde aufgrund ihrer einfachen Konstruktion und schnellen Errichtbarkeit nach dem Krieg vielfach als Unterkunft eingesetzt. Auch in Pöppendorf prägten diese Bauten das Erscheinungsbild des Lagers und wurden so unmittelbar mit dessen Geschichte und den Lebensbedingungen seiner Bewohner verbunden.

Diese historische Bauform bildet den Ausgangspunkt des Entwurfs.

Der Unterstand übernimmt Geometrie und Maßstab der Nissenhütte, ohne sie zu rekonstruieren. Das historische Vorbild wird abstrahiert und auf seine wesentlichen architektonischen Merkmale reduziert: Bogen, Proportion, Reihung und schützendes Dach. Fünf Stahlbögen bilden das konstruktive Gerüst, zwischen denen sich ein einfaches Wellblechdach spannt. Die Konstruktion bleibt sichtbar, klar und robust und stellt so eine unmittelbare Verbindung zum historischen Vorbild her.

Aus der Nissenhütte wird ein Gerüst. Aus dem historischen Provisorium wird ein Ort der Erinnerung  

Gleichzeitig wird der räumliche Charakter der historischen Hütte bewusst transformiert. Aus dem geschützten, geschlossenen Innenraum der Unterkunft wird ein offener Raum zwischen Architektur und Landschaft. Der Pavillon bietet Schutz vor Witterung und Raum für Aufenthalt und Ausstellung, bleibt dabei aber durchlässig und öffentlich. Die Geschichte des ehemaligen Lagers wird so nicht museal abgetrennt, sondern Teil der heutigen Nutzung des Ortes.

Die Struktur erinnert an eine Architektur, die heute verschwunden ist. Sie rekonstruiert das ehemalige Lager nicht und bildet kein klassisches Denkmal. Sie ist eine räumliche Übersetzung seiner Geschichte und macht Vergangenheit über eine vertraute Form wieder lesbar.

Die Nissenhütte wird zum architektonischen Gedächtnis des Ortes: Ihre historische Form bleibt erkennbar, ihre Konstruktion wird zeitgenössisch interpretiert und ihre ursprüngliche Funktion in einen öffentlichen Ort des Aufenthalts, der Information und der Erinnerung überführt.

Erinnern unter einem Dach bedeutet hier, der Geschichte nicht nur ein Zeichen zu geben, sondern ihr einen Ort zu geben.

 

Planungszeitraum Seit 2026
Leistungsphasen 1 - 2