Wohnhaus und Bücherhalle, Hamburg-Rahlstedt
Aus dem Kontrast entsteht Identität.
Stadtreparatur: Ein heterogener Ort wird zum eigenständigen Stadtbaustein
Auf einem nur 680 m² großen Eckgrundstück im Zentrum Rahlstedts entsteht ein fünfeinhalbgeschossiges Haus, das Bücherhalle, Gewerbe und Wohnen miteinander verbindet. Die städtebauliche Situation ist geprägt vom Gegensatz zwischen Fußgängerzone, gewachsenem Grünraum an der Wandse und der großmaßstäblichen Bebauung der 1970er-Jahre. Der Entwurf nimmt diese Gegensätze auf und übersetzt sie in eine klare, kompakte Kubatur. Anstelle einer Anpassung an die vorhandene Tristesse setzt das Gebäude einen eigenständigen architektonischen Akzent und formuliert eine neue Adresse im Zentrum.
Die Bücherhalle öffnet das Haus zum Stadtraum
Die öffentliche Nutzung besetzt die unteren beiden Geschosse. Eine großzügige Glasfassade macht die rund 710 m² große Bücherhalle von der Fußgängerzone aus sichtbar und schafft einen unmittelbaren Übergang zwischen Innen- und Außenraum. Transparenz wird dabei zum architektonischen Prinzip: Die Bücherhalle zeigt sich nicht als abgeschlossene Institution, sondern als selbstverständlicher Bestandteil des öffentlichen Lebens. Eine ergänzende Gewerbe- und Büroeinheit stärkt diese Beziehung zum Stadtraum.
Die Kubatur wird zum Grundriss
Über der öffentlichen Sockelzone liegen 23 Wohnungen mit 45 bis 88 m² Wohnfläche. Ihre Grundrisse entstehen aus der besonderen Geometrie des Baukörpers und lösen sich bewusst von einer rein orthogonalen Organisation. So entstehen individuelle Raumfolgen und Wohnungen mit eigenem Charakter. Großzügige Balkone und Dachterrassen werden nicht nachträglich angesetzt, sondern als selbstverständlicher Bestandteil der Gebäudeform entwickelt. Die Wohnräume orientieren sich überwiegend nach Süden und Südwesten und öffnen sich zu Licht und Grün. Ausgewählte Wohnungen erhalten Ausblicke auf die Villenbebauung der Amtstraße und die angrenzenden Freiräume. Ein Teil der Wohnungen ist barrierefrei konzipiert.
Das Erschließungssystem wird zum räumlichen Zentrum
Ein offen gestaltetes Treppenhaus mit Aufzug bildet das Rückgrat des Hauses. Die Wohnungen werden über geschossweise angeordnete Hallen erschlossen, die unmittelbar an die zentrale Erschließung anschließen. Die innere Organisation verbindet die Kompaktheit des Baukörpers mit einer großzügigen räumlichen Wahrnehmung und schafft eine klare Orientierung innerhalb des Hauses.
Die Fassade reagiert auf die unterschiedlichen Bedingungen des Ortes
Während sich das Gebäude zu Fußgängerzone, Grünraum und Sonne öffnet, bildet die weitgehend geschlossene Nordfassade einen bewussten Schutz gegenüber der angrenzenden Hochgarage. Sie wird zum ruhigen Rückgrat des Hauses.
Farblich differenzierte Fassadenelemente setzen diesem massiven Umfeld eine lebendige und freundliche Erscheinung entgegen. Die Farbigkeit ist dabei nicht dekoratives Element, sondern Teil der städtebaulichen Strategie: Sie verleiht dem Gebäude Präsenz und dem Ort eine neue Identität.
Ein Haus als neuer Mittelpunkt
Das Projekt verbindet öffentliche Infrastruktur, Arbeiten und Wohnen auf engem innerstädtischem Raum. Die klare Setzung, die differenzierte Kubatur und die gezielte Öffnung zu Licht und Stadtraum machen aus der vormals wenig ausgeprägten Ecke einen eigenständigen Ort.
Ein offenes, lichtdurchflutetes Stadthaus als Beitrag zur Erneuerung des Zentrums von Rahlstedt. Aus einer schwierigen Randlage wird ein selbstbewusster Stadtbaustein.
| Planungszeitraum | 2004 - 2008 |
| Leistungsphasen | 1 – 4 |
| Wohnungen | 23 Stk. |
| Wohnfläche | ca. 1.650 m² |
| Bücherhalle | ca. 710 m² |
| Gewerbefläche | ca. 100 m² |